Ein Schülerblog von Alexander Vollmann.


Die Anfänge des Überschallfluges mit Passagieren

Haben Sie schon einmal von einer „Concorde“ gehört? Das war ein Passagierflugzeug, das mit Überschallgeschwindigkeit geflogen werden konnte. Betrieben in den Jahren 1976 bis 2003 konnte mit einer solchen Maschine die Strecke London-New York in nur 3-3,5h bewältigt werden. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Passagierjet benötigt für dieselbe Strecke rund die doppelte Flugdauer. Doch nach 30 Jahren Flugbetrieb ohne grobe Zwischenfälle stürzte eine Concorde im Jahre 2000 in Paris ab – das Ende des revolutionären Flugzeugs.

Concorde – Wikipedia
Abbildung 1: Eine Concorde der British Airways

Nach langer Zeit ohne schallmauerdurchbrechende Passagierflugzeuge wollte sich der US-amerikanische Unternehmer Blake Scholl einen Kindheitstraum erfüllen. Er war schon als Jugendlicher fasziniert von der Concorde, hatte damals aber nie die Möglichkeit, mit einer solchen Maschine zu fliegen. Daher gründete er 2014 (gemeinsam mit Josh Krall, dem jetzigen CTO) das Startup „Boom Technology“, welches als „Boom Supersonic“ firmiert. Er selbst nahm die Rolle des CEO an. „Boom Supersonic“ setzt es sich zum Ziel, bis 2030 den ersten kommerziellen Passagierjet mit Überschallgeschwindigkeit seit der Concorde in den Linienbetrieb zu bringen – und das Unternehmen befindet sich auf einem guten Weg dorthin.

Präzisionsarbeit – hochprofessionell

Baby Boom“: Boom kündigt Rollout-Termin für seine XB-1 an | FLUG REVUE
Abbildung 2: Boom Supersonic "XB-1"

Gebaut wird der Prototyp der sogenannten „XB-1“ in Denver, Colorado, das Unternehmen besitzt dort einen hochmodernen Hangar am Centennial Airport. Es wird jedoch nicht mehr, wie etwa bei den Anfängen der Concorde in den 1960ern und 1970ern, mit Metallschweißung, Niethämmern und immensem Lärm gearbeitet, sondern mit Lasern – auf Hundertstelmillimeter genau wird gemessen und gearbeitet, und das bei absoluter Stille.  Auch im Bereich der Aerodynamik des Flugzeugs kann (50 Jahre später) mit modernsten Techniken gearbeitet werden, es gibt kaum eine gerade Linie auf der XB-1. Laut Scholl wird das Fliegen einer solchen Maschine rund 75% weniger kosten als bei einer Concorde.

Für Überschallflüge braucht es einen wahnsinnig starken Motor, bei „Boom Supersonic“ setzt man dafür auf die „Turbofan-Technologie“, welche man auch in Airbus- oder Boeing-Jets findet. Hierbei werden drei Triebwerke von Großraumflugzeugen verwendet, um damit ein kleines Flugzeug anzutreiben. Das sorgt natürlich für eine Menge Schub. Getestet wird dieser Motor an der „Baby-Boom“, einem Zweisitzer. Diese Maschine soll mit bis zu 2,2-facher Schallgeschwindigkeit (rund 2350 km/h) fliegen können. Im Vergleich: Die Concorde ist zur damaligen Zeit mit „nur“ rund 1.600 km/h geflogen!

Was ist die Schallmauer? - WAS IST WAS
Abbildung 3: Schallmauer-Durchbruch

Weiters wird die XB-1 deutlich kleiner gebaut als ihre Vorgängerin. Sie ist rund 10 Meter kürzer und hat eine um 7 Meter kleinere Spannweite. Mit der Concorde konnten damals 100 Passagiere mitfliegen – in der XB-1 werden 75 Passagiere Platz finden. Ein weiterer, wichtiger Punkt beim Fliegen mit Überschall ist das Durchbrechen der Schallmauer. Wenn das Flugzeug Schallgeschwindigkeit erreicht, ertönt ein ohrenbetäubender Knall – der Überschallknall. Durch die kleineren Maße des Prototypen von „Boom Supersonic“ gegenüber der Concorde hoffen die Designer, den Knall ein wenig eingrenzen zu können – vermeidbar ist er nicht. Wenn das gelingt, könnte das Flugzeug in der Zukunft möglicherweise nicht nur über den Ozeanen Überschallgeschwindigkeit fliegen, sondern dürfte das auch über Land tun. Das würde die ganze Sache natürlich noch schneller und noch revolutionärer machen.

Ein unleistbarer Luxus?

„Boom Supersonic“ konnte bisher eine stolze Summe von 160 Millionen US-Dollar von Investoren erlangen. Kritiker behaupten jedoch, dass eine Summe von mindestens vier Milliarden US-Dollar für den später reibungslosen Betrieb benötigt werden. Wie also möchte CEO Blake Scholl eine solche Riesensumme aufbringen? Er hat darauf in einem Interview eine Antwort gefunden:

„Geld ist nicht das Problem. Wir mussten sogar Angebote von Investoren ablehnen. Als Startup wollen Sie gar nicht mehr Geld nehmen als Sie tatsächlich brauchen. Das verschafft den Investoren zu viel Einfluss. Wenn „Baby Boom“ fliegt, werden die Airlines Schlange stehen. Dann bekommen wir die viel größere Summe, die wir brauchen, um mit Produktion und Zulassung zu beginnen.“

Doch wie teuer wird ein Flugticket eigentlich sein? Zu Ticketpreisen einer Concorde findet man nicht viele Informationen, für einen der letzten Flüge des Flugzeuges für die Strecke London-New York (hin und zurück) musste man jedoch stolze 8720€ auf den Tisch legen. Das Fliegen mit dem „Supervogel“, wie die Concorde damals genannt wurde, war also eine teure Angelegenheit und  nur etwas für wohlhabende Geschäftsleute. Dank neuester Technologien sollen die Flugzeuge von „Boom Supersonic“ aber so wirtschaftlich sein, dass für Überschall-Tickets nicht mehr als für heutige Langstreckenpassagen in der Business Class verlangt werden muss.

Zum Vergleich: Ein solcher Platz kostet heutzutage zwischen 1000€ und 3000€. Natürlich ist das noch immer nicht billig, aber Geschäftsleute, die bei der Überquerung des Atlantik die Hälfte der Zeit einsparen könnten, werden diesen Preis mit Sicherheit gerne bezahlen. Und dass das Überschallfliegen kein Familienalltag wird (zumindest jetzt noch nicht), ist sowieso klar.

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Abbildung 4: So könnte das Flugzeug von innen aussehen

„Boom Supersonic“ zieht bis jetzt 500 mögliche Flugrouten mit doppelter Schallgeschwindigkeit über Wasser in Betracht. London-New York soll in drei Stunden und 15 Minuten geflogen werden können, Los Angeles-Tokio in etwa 5 ½ Stunden.  Diese beiden Strecken sollen auch die beiden meistgeflogenen Strecken werden.

Wie sieht es mit der Umwelt aus?

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Fliegen eigentlich sehr schlecht für die Umwelt ist. Grundsätzlich sind Überschallflugzeuge sogar noch um einiges schlechter, als herkömmliche Passagierflugzeuge. Laut aero.de sollen die Flieger von „Boom Supersonic“ pro Passagier bis zu sieben Mal so viel Treibstoff verbrennen wie ein normaler Jet. Außerdem überschreitet die XB-1 die gesetzlichen CO2-Emmisions-Grenzwerte um bis zu 70% und den Stickstoff-Grenzwert um 40%.

Neulich wurde aber erwähnt, dass die Flieger von „Boom Supersonic“ mit Bio-Kerosin fliegen werden. Ob sich die Werte damit so drastisch ändern und ob das Startup die Flugerlaubnis bekommt, bleibt also offen.

Fazit

Meiner Meinung nach ist das Überschallfliegen eines der interessantesten zukunftsbezogenen Themen. Ob es in wenigen Jahren schon so funktionieren kann, wie Blake Scholl es beschrieben hat, bleibt für mich jedoch offen. Hauptgrund ist nicht das Finanzielle, sondern eher die Umweltschäden, die die Flieger von „Boom Supersonic“ (noch) mit sich bringen. Ich würde aber trotzdem sehr gerne einmal in einem Überschallflugzeug mitfliegen.

Quellen

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